Es fing an mit der Mimik. Fast von selbst kam diese humorige Seite zu Carmela de Feo. Was erst als höchst seriöses Liederduo an Akkordeon und Gesang an den Start ging, wurde auf einmal zum Comedy-Duo Cocolorez. Und als sich Duopartnerin Franziska Dannheim wieder in Richtung Oper verabschiedete, war da auf einmal eine einzelne, schrullige Bühnenfigur, bereit, das deutsche Kabarett zu erobern: La Signora. Heute hat de Feo so ziemlich jeden Kabarettpreis zu Hause, der verliehen wird. Ihre nahbare Art, das Publikum in ihre Shows einzubeziehen, hat ihr zahlreiche treue Fans eingebracht. Immer dabei: Ihr Akkordeon und zahlreiche umgetextete Schlager und Popsongs. Mit dem neuen Programm „Froschkönigin“ feiert sie ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. Dabei ist die versierte Verfechterin der Heiterkeit eine hervorragend ausgebildete Akkordeonistin und stand früher bereits oft als Solistin und Ensemblemusikerin auf der Konzertbühne. Im Interview berichtet sie, was da los war.
Interview und Text: Christina M. Bauer; Fotos: Stefan Hämmerle
Der Kabarettabend im Münchner Lustspielhaus ist ausverkauft. Während sich drüben der Saal nach und nach füllt, ist es um die Ecke im Künstlerbereich noch ruhig. Bevor sie sich in ihre Rolle als La Signora begibt, gibt Carmela de Feo im Interview Einblicke in ihr wechselvolles Bühnenleben mit dem Tragischen, dem Heiteren und natürlich dem Akkordeon. Das muss, wie de Feo gleich am Anfang feststellt, wohl zur Reparatur. Die eingebauten Tonabnehmer haben sich verabschiedet. Was gar nicht so schlimm ist, denn in dieser Umgebung kommt die Künstlerin nur mit dem Headset ebenfalls zurecht.
- Wie du vorhin sagtest, mit dem Akkordeon ist immer mal etwas. Jetzt habt ihr das gelöst.
Carmela de Feo: Genau, jetzt haben wir das gelöst.
- Das ist ein Hohner Akkordeon, oder?
Carmela de Feo: Genau, ein Damenmodell, das hat schmale Tasten und die Septimreihe fehlt. Das ist eine 120er, nur eben leichter. Weil ich ja die ganze Zeit stehe. Ich sitze nicht, ich stehe und tanze damit.
- Stimmt, mit den Tanzeinlagen hast du etwas, das du zusätzlich stemmen musst.
Carmela de Feo: Es ist weniger geworden mit dem Tanzen (lacht), weil ich einfach älter geworden bin und denke, das muss nicht sein.
- Verstehe.
Carmela de Feo: Ja, man hat in jungen Jahren noch mehr Energie und Ideen, ich könnte noch dahin und hierhin. Aber das muss alles gar nicht mehr.
- Und das Akkordeon tanzt ab und zu mit.
Carmela de Feo: Die Finger tanzen über das Akkordeon.
„Irgendwann ist mir mein Gesicht einfach abhanden gegangen.“
- Du hast eine interessante Geschichte mit der Musik. Du hast früh Konzerte gespielt mit verschiedenen Besetzungen und an der Folkwang Universität studiert…
Carmela de Feo: … bei Professor Mie Miki …
- … genau, bei einer der renommierten Akkordeonprofessorinnen in Deutschland. Du hast tolle Konzerte gespielt, etwa die deutsche Uraufführung von Astor Piazzollas „Maria de Buenos Aires“. Man könnte denken, es war dein Ziel, Musikerin zu werden. War das so?
Carmela de Feo: Ich glaube, ich hatte gar keine Ziele. Ich hab einfach das gemacht, was ich konnte. Es ist mir ziemlich zugeflogen alles. Ich musste nicht so viel üben wie manch andere. Und auch die Oper konnte ich ziemlich schnell, und das Improvisieren. Es ist viel Freiheit beim argentinischen Tango. Das liegt mir sehr, oder lag mir, ich spiele seitdem ja gar keinen Tango mehr. Ich hatte das Gefühl, ich habe alles erreicht.
- Du warst fertig sozusagen.
Carmela de Feo: Konzerte geben, das hat mich nicht mehr gereizt. Mit dem Symphonieorchester, das war schön, da haben wir verschiedene Projekte gemacht. Ich war in Italien, wir haben dort den Piazolla Award gewonnen in Udine. Ich war in Kopenhagen, da haben wir mit unserem Sextett an einem Wettbewerb teilgenommen.
- Wann war das, etwa in der Zeit, als du die Oper gespielt hast?
Carmela de Feo: Genau, das war dieser Zeitrahmen vor 2000.
- Da wart ihr noch auf Tour.
Carmela de Feo: Genau, wir haben getourt, Konzerte gegeben, an Wettbewerben teilgenommen, ziemlich erfolgreich. Irgendwann brachte mir das nichts mehr, das hat mich nicht erfüllt.
- Irgendwann kam der humorige Teil.
Carmela de Feo: Der kam durch Zufall. Franziska Dannheim – die hat damals die Oper gesungen, die Maria, die Hauptrolle – die hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, sie zu begleiten für ein Solokonzert. Ich meinte: „Ja gut, können wir machen, argentinischen Tango“. Wir haben ein Programm gemacht. Sie fing irgendwann an, Anekdoten zwischen den Musikstücken zu erzählen. Sie hatte sich was überlegt: „Das könnte ich erzählen“, und ich war nur die Akkordeonistin, die daneben saß.
- Sie war Hauptperson.
Carmela de Feo: Sie hatte etliche Konzerte und Liederabende gegeben.
- Du warst Begleitung.
Carmela de Feo: Ich war nur Begleitung, eine stille Akkordeonistin, die da einfach saß und gewartet hat, bis sie wieder dran war und die Franziska endlich fertig war mit den Erzählungen. Und irgendwann ist mir mein Gesicht einfach abhanden gegangen. Also, ich hab das kommentiert. Ich hab eine Grimasse gezogen ohne dass ich das gemerkt habe. Das war nicht absichtlich. Und plötzlich fingen die Leute an zu lachen. Wir haben drüber geredet nach dem Konzert und dachten: „Das ist schön, das macht Spaß, da machen wir mehr daraus“. So hat sich das Comedy-Duo Cocolorez entwickelt. Die Frontfrau, Sängerin, Erzählerin, und ich, die biedere Akkordeonistin, die nur mit dem Gesicht kommentiert.
- Etwas davon ist mitgekommen in deine neue Rolle. Das habt ihr also eine ganze Zeit lang gemacht.
Carmela de Feo: Das haben wir einige Jahre gemacht, und irgendwann wollte Franziska wieder zurück zur Oper, ins seriöse Fach.
- Du nicht mehr?
Carmela de Feo: Nein, ich wollte das nicht mehr. Mir hat das wesentlich besser gefallen.
„Das ist eine völlig andere Reaktion im Publikum.“
- Du hattest etwas entdeckt, was du lieber weitermachen wolltest als dieses oft sehr Tragische wie „Maria de Buenos Aires“.
Carmela de Feo: Ja, es ist sehr melancholisch und emotional. Und natürlich, das ist eine völlig andere Reaktion im Publikum. Wenn du ein Konzert gibst, sind alle still, ab und zu hustet jemand, und das ist schon unangenehm, da drehen sich die ersten um. Jeder Ton wird auf die Waage gelegt. Die Spannung, die man da erreichen soll. Ich hatte wahnsinniges Lampenfieber, dauernd. Ich hab Kohletabletten gegessen ohne Ende.
- Das soll helfen?
Carmela de Feo: Wenn man ständig Durchfall hat (lacht).
- Okay, okay.
Carmela de Feo: Feuchte Hände, das war schrecklich. Und in dem Moment, als ich mit La Signora auf die Bühne gegangen bin…
- Da war das nicht so?
Carmela de Feo: Das war weg. Da wusste ich, das muss es sein.
- Ah, Mensch.
Carmela de Feo: Und es war klar, dass ich das Akkordeon mitnehme. Das ist ja das, was ich kann. Ich hab die ersten Gehversuche in Kleinkunstbühnen im Ruhrgebiet gemacht, da gab es früher wahnsinnig viele Mixshows. Man hat sich dort angemeldet und ist dann zehn bis fünfzehn Minuten aufgetreten.
- Das ging relativ spontan?
Carmela de Feo: Man musste Kontakt herstellen und nachher wurde man von einer Show zur anderen gereicht. So konnte ich Sachen ausprobieren. Das erste, was ich ausprobiert habe, waren Songs auf dem Akkordeon.
- Was hast du ganz am Anfang so gespielt?
Carmela de Feo: Das mache ich heute, „Capri Fischer“. Die „Capri Fischer“ umgetextet, das ist eine meiner ersten Nummern. Das mache ich heute als Zugabe. Das habe ich als erstes gemacht und es hat sich gut angefühlt. Die Figur kam sofort gut an. Es wurde sofort akzeptiert, die spielt Akkordeon, das gehörte zusammen.
„Es war klar, dass ich das Akkordeon mitnehme.“
- Wurde das kommentiert oder besonders eingeordnet?
Carmela de Feo: Es war was Besonderes, weil zu der Zeit gab es kaum jemanden, der Akkordeon gespielt hat in dieser Art. Es gab Andreas Rebers, er hat das mehr konzertant gemacht manchmal. Bei mir war es wirklich reine Begleitung. Das hatte für mich was Befreiendes. Es ermöglicht, den Leuten einfach das Akkordeon zu zeigen, weg von der Volksmusik und weg vom Seriösen, guck, es geht einfach nur Unterhaltung, ohne dass wir das in eine Schublade stecken müssen. Das war ziemlich positiv.
- Eine heitere Seite. Ist das etwas, was du da am Akkordeon erst wahrgenommen hast oder war das vorher für dich schon klar?
Carmela de Feo: Das war immer klar, dass das was Lustiges an sich hat. Zu Hause in meinem Elternhaus haben wir viel musiziert und gesungen, italienisch-neapolitanische Lieder, die sind immer lustig.
- Ist das so?
Carmela de Feo: Also, nicht immer, es gibt tragische. Aber es gibt eine Menge lustige italienische, also neapolitanische Lieder und die habe ich begleitet. Das war für mich klar.
- Wer hat zu Hause alles gesungen?
Carmela de Feo: Das kam alles von meinem Vater. Der hatte quasi mir das Akkordeon aufgedrängt, sagen wir mal so (schmunzelt).
- Wirklich?
Carmela de Feo: Ja, weil Klavier war zu teuer, und Akkordeon kannte er eben von seiner Heimat her.
- Hat er auch gespielt?
Carmela de Feo: Ja, diatonische Harmonika. Aber im Ruhrgebiet gab es niemanden, der das unterrichtet hat. Deswegen sind wir zum Tastenakkordeon. Als er später Knopfakkordeon sah, dachte er: „Das hättest du lernen können!“. Nur war das gar nicht das Musikinstrument, das er von seiner Heimat kannte.
- Du bist beim Tastenakkordeon geblieben.
Carmela de Feo: Ich bin dabei geblieben. Einmal hab ich Bandoneon für ein gutes Jahr probiert, die englische Griffweise. Das war so kompliziert, dass ich dachte: „Warum mache ich das? Mit dem Akkordeon komme ich doch gut klar.“ Selbst Daniel Piazzola, der Sohn von Astor, hatte eine Aufnahme bekommen und hat das nicht gemerkt, dass das ein Akkordeon ist. Ich hatte vorher Kurse belegt bei Hugo Díaz. Ich hab mir das genau abgeguckt und wir haben versucht, diesen reißenden Ton hinzukriegen. Das habe ich hingekriegt, indem ich das Akkordeon – den Balg – ständig vor meinen Beinen habe runterfallen lassen, um dieses Vulgäre im Ton hinzubekommen. Das hat der nicht gemerkt. Erst als ein lieber Kollege von mir – ironisch gemeint – ein Foto von mir in einem Zeitungsartikel an Daniel Piazolla sendete, wurde mir das schriftlich verboten. Ich durfte nicht mehr „Maria de Buenos Aires“ spielen, weil das ein Bandoneon sein sollte.
- Wie oft hast du die Oper gespielt?
Carmela de Feo: Schon einige Male.
- Immer im Ruhrgebiet?
Carmela de Feo: Wir sind nicht groß gereist. Das waren alles Solisten, die wir zusammengewürfelt haben. Wir hatten ein Streichquartett, Klavierspielerin, Kontrabass, Querflöte, Percussion plus Schlagzeug, Erzähler, Sänger, Chor, das ist ein Riesenautomat.
„Die kommen nach der Show und sagen: „Das hast du anders gespielt“ und ich sag: „Ja, ist mein Recht, ist ja mein Lied.““
- Als du mit dem Konzert auf Reisen warst mit dem Orchester, das war auch mit Akkordeon?
Carmela de Feo: Das war mit Akkordeon.
- Ein Konzert mit Bandoneon gab es also nie?
Carmela de Feo: In Italien war das kein Thema. Da hat keiner was gesagt, dass ich Akkordeon spiele. Wir haben einen Preis gewonnen. Ich hab das Bandoneon damals ein Jahr versucht und dachte dann: „Das ist totaler Quatsch, was mache ich hier genau?“ Man engt sich ein, man kann nicht mehr improvisieren, man ist in einem Korsett und kann nicht loslassen. Und Tango bedeutet loslassen, unbedingt. Wenn das nicht mehr gewährleistet ist, ist es kein Tango mehr für mich.
- Verstehe. Was manche so sehen, diese feste Verknüpfung von Bandoneon und Tango, das siehst du anders?
Carmela de Feo: Astor Piazolla hat selbst mit Akkordeonisten zusammen gespielt. Ich hatte das große Glück, ich durfte in der Oper leben, sie erleben, das waren schöne Zeiten. Ich musste aufpassen, nicht zu schnell zu sein bei den Fugen. Ich hatte eine tiefer gelegte Gola. Der Hub war nicht so hoch.
- Du hast noch eine Menge mit Theater gemacht später, parallel zur Kabarettbühne.
Carmela de Feo: Das war Zufall.
- Du hast teilweise als Schauspielerin mitgewirkt, ganz ohne Musikinstrument.
Carmela de Feo: Ich hab ein paar Theaterstücke musikalisch begleitet. Daher hatte ich schon Kontakt. Ich hatte einen italienischen Kollegen, der in Oberhausen am Theater arbeitete. Seine Eltern kamen aus dem gleichen Dorf wie meine. Da haben wir uns getroffen und gesagt: „Wir sollten einen Abend zusammen machen.“ Wir haben einen Liederabend zusammen gemacht, der hieß: „Addio Napoli! Buena Sera Oberhausen!“. Das haben wir nur in Oberhausen gespielt, und einmal in Holzgerlingen, wo die Familie von Antonio herkommt. Das ist Antonio Lallo, er ist Schauspieler in Baden-Württemberg. Damals hat mich der Intendant vom Theater Oberhausen gesehen und mich gefragt, ob ich bei den „Drei von der Tankstelle“ mitmache, eine richtige Rolle. Ich hatte gar keine Schauspielausbildung.
- Das war das erste Mal, dass du als Schauspielerin aufgetreten bist?
Carmela de Feo: Genau, das erste Mal, und mit Songs. Das war ja ein Musical. Ich hatte eine lustige Rolle, ich war die Schwiegermutter und Bardame. Ich hab natürlich meine clowneske Seite zeigen müssen. Das ging gar nicht anders. Bei der Silvestervorstellung, da hatte ich ein Cocktailkleid an und hab mir eine Perücke onduliert wie in den Zwanzigern, richtig schön rötlich. Und ich hatte mir dicke Achselhaare bestellt.
- Zum Ankleben?
Carmela de Feo: Genau. Was mir aber nicht bewusst war, das Theaterpublikum ist ein komplett anderes als ein Kleinkunstpublikum (lacht). Die haben das ernst genommen. Die haben da gesessen und darüber nachgedacht in dem Moment.
- Nee, oder?
Carmela de Feo: Erst als ich mir die abgerissen habe, weil ich merkte, die verstehen gar nicht, dass das ein Witz ist, da fingen sie plötzlich an zu lachen.
- Mensch.
Carmela de Feo: Da wurde mir auch klar, Theater ist nichts für mich. Ich brauche diese Lockerheit. Ich muss mit dem Publikum kommunizieren wie mit einem Ensemble. Man spielt miteinander. Man kommuniziert. Man weiß, in welche Richtung das gehen wird. So ist das eben jetzt für mich, in der Comedy.
- Das ist eine interessante Entwicklung. Du hast mit großen Besetzungen auf der Bühne gestanden, mit Ensembles und im Duo. Und dann bist du da als eine Künstlerin, es gibt ein Akkordeon und dein Programm. Das ist schon eine besondere Situation. Da hast du dich sofort wohlgefühlt?
Carmela de Feo: Sofort.
- Spannend.
Carmela de Feo: Das erste Mal, dass ich meine Stimme entdeckte, da habe ich ein Symphoniekonzert moderiert in der Rolle.
- Das war schon La Signora?
Carmela de Feo: Das erste Mal La Signora, eine Stimme, keine eigenen Nummern, sondern einfach nur moderieren, um zu sehen, wie spricht die denn überhaupt. Und obwohl ich überhaupt nicht wusste, was ich da genau tue, hab ich mich wohlgefühlt.
- Das hört sich an, als wäre vieles intuitiv im Moment entstanden.
Carmela de Feo: Gut, viele Sachen musste ich noch für mich überdenken. Ich habe versucht, Hochdeutsch zu sprechen in den Anfängen, weil ich mich ein bisschen geschämt habe für meine Herkunft und dass ich nicht so ordentlich sprechen kann.
- Es ging um den Dialekt.
Carmela de Feo: Genau, diesen Ruhrpott-Dialekt, den wegzulassen. Dann kam ich nach Baden-Württemberg und hab nix verstanden. Die haben sich gar keine Mühe gegeben, Hochdeutsch mit mir zu sprechen (lacht). Da dachte ich, gut, was ihr könnt, kann ich schon lange. Daraufhin hab ich einfach die Sprache losgelassen.
- Jetzt sprichst du richtig Dialekt.
Carmela de Feo: Ich sprech so wie’s kommt.
- Den echten Dialekt, wie du ihn von zu Hause kennst?
Carmela de Feo: Vom Ruhrgebiet, von der Nachbarschaft. Weil zu Hause, die sprechen ja Neapolitanisch, das wäre ein bisschen seltsam (lacht). Das ist ja quasi der Ruhrpott der Italiener vom Dialekt her. Insofern hab ich komplett losgelassen.
- Es passt gut zur Figur, besser als Hochdeutsch.
Carmela de Feo: Die Figur hat eine Menge Brüche.
- Du sagtest, das erste Mal auf der Bühne mit La Signora war in Oberhausen. Wie war das genau?
Carmela de Feo: Das war im Theater Oberhausen, das Symphoniekonzert der Musikschule, wo ich selbst meine ersten Akkordeonschritte gegangen bin. Wobei, das stimmt nicht ganz, ich hatte zunächst Privatlehrer und bin mit zwölf an die Musikschule gekommen. Das war also eine gute Möglichkeit, das auszuprobieren. Es war ein familiärer Rahmen, ich wusste, mir passiert nix. Die Leute haben gelacht, und das wollte ich. Ich wollte, dass sie lachen und mit mir kommunizieren. Ich hab das immer weiter ausgereizt. Ich hatte bevor ich ein Solo hatte mit La Signora eine Mixshow, die ich moderierte. Da hab ich fast nur improvisiert mit dem Publikum, hab denen Aufgaben gestellt. Da war jeden Monat eine Show im Ebertbad in Oberhausen und die Leute kamen. Die Rosenvorstellung, das ist die zehnte Vorstellung, da hatte ich bei der neunten Vorstellung noch gesagt: „Das wäre schön, wenn jeder von euch eine Rose mitbringt.“ Meine Idee war, weil ich immer mit dem Scheitern spiele, ich scheitere in dem Moment, ich gehe mit großen Kübeln durch den Saal und keiner hat was mit. Und das halten wir mal aus. Dann war die zehnte Vorstellung. Ich nehme diese beiden Sektkübel mit der Idee, das wird in die Hose gehen, ich war sehr gespannt. Und als ich wieder zurück kam, waren die Kübel voll.
- Okay.
Carmela de Feo: Also, ich konnte die Nummer gar nicht machen. Aber da habe ich gemerkt, die Leute wollen ein Teil davon sein. Die wollen nicht nur zuhören. Das können sie bei Konzerten, da ist es ja gegeben. Hier bei mir können sie sich öffnen, da können sie so sein oder mitmachen. Und ich frag ja die Menschen. Die müssen gar nicht lustig sein. Es reicht, wenn sie mir was erzählen, ich mach das schon. Sie wissen, sie sind bei mir in Sicherheit. Ich werde sie niemals vorführen, und wenn, übertreibe ich so extrem, dass es überhaupt nichts mit der Person zu tun hat. Das war mir immer wichtig, dass man respektvoll miteinander umgeht.
- Du hast inzwischen viele Bühnenprogramme gemacht. Seit das losging mit dem ersten Soloprogramm, hat sich das sehr verändert oder ist vieles konstant?
Carmela de Feo: Was konstant geblieben ist, ist der Ablauf, Text, Musik, das ist, was ich mache. Ich erzähle was und dann kommt ein Song, in dem Song erzähle ich was. Ich tanze, das ist geblieben. Nicht mehr so oft und so extrem, weil ich bin ja älter geworden und habe gemerkt, es reicht eine kleine Bewegung. Ansonsten, klar entwickelt sich die Figur. Die war früher vielleicht ein bisschen herrschsüchtiger. Jetzt ist sie lockerer geworden, offener. Das kommt natürlich mit der Erfahrung. Ich hab so viel erlebt auf der Bühne, so viele Situationen, dass mich selten was aus der Bahn wirft. Es kann mal sein, dass ich einen Lachanfall bekomme, weil die Situation so bekloppt ist.
- Wirklich? Unkontrollierbar?
Carmela de Feo: Unkontrollierbar. Wo ich denke, jetzt müssen wir kurz zu Ende lachen und dann geht’s weiter. Ich bin ja auch ein Mensch. Ich weiß, was ich tue, ich habe Texte und Songs vorbereitet. Aber die Art der Präsentation ist jedes Mal ein bisschen anders. Und mit dem Publikum, die reagieren anders. Ich erlebe jeden Abend das Programm neu, in kleineren Facetten. Da kann das jederzeit passieren. Oder was Rührseliges. Da hatte ich eine ältere Dame gefragt, wie sie ihren Mann kennengelernt hat, und sie sagte: „Auf dem Friedhof.“
- Oh.
Carmela de Feo: Ja, man merkte direkt die Spannung im Saal. Mir war klar, wir machen keine Witze darüber, aber wir wollen alle wissen: „Wie lernt man jemand auf dem Friedhof kennen?“. Und das war so schön, dass die beiden Applaus gekriegt haben. Ich konnte später weitermachen. Den Moment, den wollen alle erleben, darum geht’s, das echte Leben. Das ist das Akkordeon auch. Es ist nichts Technisches, nichts aus der Steckdose. Klar mach ich mal Playbacks, weil einfach die Stimmung anders ist mit Schlagzeug, Bläsern und so. Wenn ich Akkordeon spiele ist es pur, pures Leben.
- Die Songs, die du interpretierst und mit neuen Texten verknüpfst, wie suchst du sie aus?
Carmela de Feo: Ich hör sehr viel WDR4. Wirklich (lacht). Da krieg ich die meisten Sachen. Ich fang mir irgendwelche Fragmente ein. Was jetzt gerne immer gehört wird und was ich gern wiederhole, ist „Smooth Operator“. Wo mir sofort klar war, als ich das hörte, da singt doch einer „Schmus mit Opa Peter“, und da war mir klar, es ist ein Lied über die Liebe zu einem Rentner.
- Okay.
Carmela de Feo: So kommt das.
- Deine Songs begleiten dich eine ganze Zeit lang.
Carmela de Feo: Ja, in dem Programm selbst. „Schmus mit Opa Peter“ gehört ja zum Programm „Groß, blond, erfolgreich“. Bei den „Besten Knallern“ wie heute abend ist es ja ein Mix von alten und neuen Sachen. Ich probiere heute neue Sachen aus, wo ich überhaupt nicht weiß, wird das in die Hose gehen, werde ich mich an den Text erinnern? Aber ich muss es ja ausprobieren. Und eben alte Songs wie „Schmus mit Opa Peter“, mir ist klar, die Leute wollen das hören, also mache ich das.
- Gibt es viele, die öfter da sind und sich schon freuen auf Stücke, die sie kennen?
Carmela de Feo: Es gibt welche, die können mitsingen. Manchmal stört mich das, gerade, wenn ich Akkordeon spiele. Dann ändere ich das Tempo extra, damit die nicht mehr mitsingen können (lacht). Die kommen nach der Show und sagen: „Das hast du anders gespielt“ und ich sag: „Ja, ist mein Recht, ist ja mein Lied.“ Damit spiele ich gern.
- Es findet viel Austausch statt mit dem Publikum.
Carmela de Feo: Unbedingt. Ich stehe nach der Show irgendwo an der Ecke und sammele Geschenke ein oder verkaufe meine Bücher. Es ist immer ein Austausch, und was ganz extrem ist, vor allen Dingen seit Corona, ist Social Media. Da schreiben mir ganz viele. Während Corona habe ich mit vielen gechattet und da hatte ich diese personalisierten Videogrüße ins Leben gerufen. Das hatte ich schon vorher und habs noch professionalisiert mit der Möglichkeit, man kann sich bei mir anmelden mit Formular, an wen, was soll es sein, dann schicke ich das Video. Derjenige spendet dafür an SOS Friedensdorf. Ich hab während Corona mein Kostüm den ganzen Tag angehabt, weil ich nur Videos gedreht habe. Es waren so viele Menschen, die ihre Familie grüßen wollten, Freunde grüßen wollten. Das war enorm.
- Dein Kostüm ist eine von den Konstanten, das ist sehr beständig.
Carmela de Feo: Ja, es ist ein bisschen breiter geworden (lacht). Damit kokettiere ich aber auch. Ich bin froh, jedes Mal, wenn ich Kolleginnen sehe, die sich rausputzen müssen, überlegen müssen, wie mache ich meine Haare, ist mein Dekolleté noch frisch. Das ist bei mir sowas von egal. Ich hab immer einen Dutt, ich hab immer ein Haarnetz, ich hab immer die Bluse bis oben hin zu mit der Brosche. Ich hab auch etliche Broschen, aber ich nehm immer die gleiche, ich weiß auch nicht, warum. Ich finde das sehr angenehm, sich da keine Gedanken zu machen. Und es ist… das war ganz extrem damals bei Cocolorez mit Franzi. Sie hatte sexy Kleider an und ich dieses biedere. Man sieht die Blicke der Frauen, wenn jemand Hübsches vor einem ist. Man ist direkt Konkurrenz. Ich war noch nie Konkurrenz. Die Leute lachen über mich, insofern kann ich die Männer anspielen, ohne Gefahr zu laufen, dass die Frauen mir das übel nehmen.
„Ich hab während Corona mein Kostüm den ganzen Tag angehabt, weil ich nur Videos gedreht habe.“
- Verstehe. Ich habe noch eine Frage zu deinen Akkordeons. Ich kann mir vorstellen, das sind einige.
Carmela de Feo: Ja, ich hatte verschiedene. Es tat mir so leid wegen meiner Gola. Die war nur in ihrem Koffer. Ich hab sie ab und zu mal rausgeholt. Nur hatte ich einen Bandscheibenvorfall, wurde operiert. Ich dachte, das ist zu schade. Ich hab das Musikinstrument einem Kollegen gegeben.
- Wem?
Carmela de Feo: Dem Mann von Daniela Grenz. Dann hatte ich ein elektronisches, das war mir viel zu schwer. Das hab ich verkauft. Und ich habe ein sehr kleines, das verwende ich, wenn ich im Urlaub bin und üben möchte.
- Wie lang hast du das Modell, das du heute dabei hast?
Carmela de Feo: Seit Beginn, das hab ich mir dafür gekauft.
- Das begleitet dich seit zwanzig Jahren?
Carmela de Feo: Genau, und ich hab es direkt umbauen lassen mit Mikrofonen drinnen. Mir war klar, ich muss drüber singen können. Man merkt, ich benutze das selten, diese Abnehmer. So Riesenhallen, klar, da braucht man das. So wie heute, das geht über das Headset, weil es sehr nah ist.
Website: https://www.carmeladefeo.de/

Christina M. Bauer | Redaktionsleiterin
Ich bin Redaktionsleiterin für die Jahresausgabe akkordeon magazin 2026 und akkordeon.online Als freiberufliche Musikjournalistin arbeite ich mit Verlagen, Zeitschriften, Zeitungen und Onlinemedien. (Foto: Fotostudio Belichtungswert)














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